Türöffnungen finden sich häufig im Alarmierungsbild der Feuerwehren wieder. Umso wichtiger ist es, für den Ernstfall richtig vorbereitet zu sein. Um Türen zur öffnen gibt es zahlreiche Methoden. Von minimalinvasiv bis brachial stehen hier alle Möglichkeiten offen. Natürlich liegt das Mittel der Wahl immer im Ermessen des Einsatzleiters und der verlangten Dringlichkeit der Öffnung. Unsere Aufgabe besteht darin, immer mit dem geringsten Schaden den größtmöglichen und schnellsten Erfolg zu erzielen.

Minimalinvasive Öffnungen, wie das Ziehen von Schlössern oder das Öffnen unter Zuhilfenahme einfacher Türöffnungswerkzeuge, können wir bei unseren eigenen Feuerwehrhaustüren regelmäßig üben. Schwieriger verhält es sich bei der Anwendung größerer Gewalt, wie Brechwerkzeugen oder hydraulischen Geräten. Damit hier jedes Feuerwehrmitglied die Möglichkeit bekommt tatsächlich eine Türe zu öffnen bräuchten wir eine Unzahl an Türen.

Für diesen Zweck steht der Feuerwehr Guntramsdorf Dank der Initiative von LM Manuel Ziegler seit Kurzem eine Übungstüre zur Verfügung.

Redaktion: Manuel du bist ja nicht nur leidenschaftlicher Bastler und Baumaschinenschlosser, sondern auch seit 2006 aktives Mitglied der Feuerwehr Guntramsdorf und da seit vielen Jahren im Bereich Atemschutz tätig. Seit heuer zusätzlich auch Sachbearbeiter Wasserdienst. Was hat dich dazu gebracht ein solches Projekt zu starten?

Manuel: Mir ist auf Grund der Erfahrung und Ausbildung beim Thema Atemschutz schon immer viel daran gelegen, so realitätsnah wie möglich üben zu können. Nachdem man aber nicht ständig Übungstüren zur Verfügung hat, wollte ich vor ca. zwei Jahren schon so etwas bauen.

Redaktion: Wie war da der Prozess? Ist ja nicht so, dass man jetzt einfach ein paar Metallstangen zusammenschweißt und fertig ist die Türe.

Manuel (lacht): „Ja schön wär´s. Die reine Arbeitszeit lag bei circa 50 Stunden. Da ist aber noch keine Planung dabei. Die war insofern eine Herausforderung, weil ich keine richtige Vorlage hatte. Ich musste mir erst überlegen was alles mit der Türe gemacht werden und was möglich sein soll. Nachdem beim Beüben mit verschiedensten Geräten dann enorme Kräfte auf den Rahmen wirken würden, musste ich erst herausfinden welche Materialstärken die richtigen sind. Trotzdem sollte das Verhalten sehr ähnlich zu echten Türen sein, um so realitätsnah wie möglich zu üben.

Redaktion: Jetzt ist es ja so, dass Du wie so viele andere auch Vollzeit arbeiten gehst und nebenbei auch schon relativ viel Zeit bei der Feuerwehr verbringst. Wann baut man dann „nebenbei“ noch so etwas?

Manuel: Ich hab immer an den Freitagen nach dem Dienst und an vier Sonntagen dran gebaut.

Redaktion: Wo hattest Du denn da die Möglichkeit das Teil zu bauen?

Manuel: Ich hatte den großen Vorteil und das Einverständnis, das bei mir in der Firma machen zu können.  In Absprache mit meinen Vorgesetzten konnte ich so nicht nur die Gerätschaften nutzen, sondern bekam auch die Materialien dafür zur Verfügung gestellt.

Redaktion: Das ist natürlich extrem großzügig. Da möchten wir uns an dieser Stelle nicht nur bei Dir für die Umsetzung bedanken, Manuel, sondern natürlich auch bei deinem Arbeitgeber der Firma Held & Francke Baugesellschaft m.b.H. (Ökotechna Entsorgungs- u Umwelttechnik GmbH) einerseits für die Materialspende im Wert von ca. € 700,- und die Möglichkeit, dass du dieses Ausbildungsgerät bauen durftest.

Technische Daten:

  • Konstruktion zusammenklappbar (Abmessungen H=210cm, B=115cm, T=700cm) – kann also auch auf einer Europalette transportiert werden.
  • Gewicht 300 kg
  • Tür kann mit einem Hubstapler angehoben und versetzt werden.
  • Ausbildungstüren dieser Art liegen bei der Anschaffung ja nach Ausführung normalerweise zwischen € 3.500,-  und € 10.000.-.

Im Vollausbau können folgende Szenarien beübt werden:

  • Aufbruch einer Türe mit Halligan Tool (spezielles Brechwerkzeug) von beiden Seiten
  • Aufbruch mit einem hydraulischen Rettungsgerät (ein so genannter Spreizer) von einer Seite,
  • Aufbrechen von Vorhängeschlössern
  • Praktischer Einsatz von Fognails (spezielle Löschlanzen, die durch Türen oder Mauern geschlagen werden können)
  • Türcheck für den Atemschutzeinsatz (Türkontrolle vor dem Einmarsch in ein Brandobjekt)
  • Einsatz eines Rauchvorhanges (spezieller nicht brennbarer Vorhang, der beim Brandraum montiert wird um Rauch- oder Brandausbreitung zu verhindern)